Spitznamen und Origiale

Spitznamen und Thurer Originale

Einige Leute in Weißenthurm hatten einen Spitznamen und waren eigentlich nur unter diesem bekannt. Den richtigen Namen wusste man gar nicht.
Allerdings war es hier nicht wie in der Eifel oder im Hunsrück, dass die Familien Hausnamen hatten.
Hier einige Spitznamen. Z. T. sind sie aus den Aufzeichnungen von Hermann Rausch entnommen:
Dat Männesje
(kleiner Mann) Das war der Eigentümer des heutigen Rhein-Hotels.

Et Schrüfje
(kölsch für Schräubchen) Ein beliebter Schlossermeister mit dem Namen Philipp Buchholz. Seine Werkstatt war in der Hauptstraße Nummer 135 mit einem Hinterausgang zur Alte Straße. Er stammte aus Linz am Rhein und sprach daher kölschen Dialekt.
Er reparierte den Leuten ihre defekten Sachen. Wenn sie diese dann abholten und sie noch nicht ganz fertig waren, sagte er immer in kölsch: „Dann maache me’ns noch e Schrüfje drop, dann es dat Ding feertig.“
In Gesellschaftsspielen war er ein Meister, insbesonder Skat. Aber auch andere Spiele konnte er sehr gut. Wenn er z.B. mit den Nachbarskindern Mühle spielte, nahm er die Gelegenheit, „Mühle zu“ zu machen nicht wahr, sondern fuhr den Gegenspieler fest.

De Furzpitter
Wie der Mann wirklich hieß, weiß man nicht. Wie er zu dem Namen kam, kann man sich denken.

De Zuckerflöt
(Die Zuckerflöte) Wohnte in der Kirchstraße.

De Seltenfröhlich
Wohnte Am Kahlenberg. Auch hier kann man sich den Grund des Namens denken.

De Unschulds-Hein
Auch hier liegt der Namensgrund nahe.

Ösche Pitte
(Peter Esch, Bäckerei, Hauptstraße 98)
Weißenthurm war über rund 20 Jahre (1920) – 1940) ohne „Ösche Pitte“ nicht vorstellbar. Ösche Pitte war nicht ganz sauber, selten rasiert, ziemlich arbeitsscheu, und konnte viel, sehr viel Bier trinken. Auf der anderen Seite konnte Ösche Pitte lügen, dass einem Normalmenschen der Unterkiefer schief hing. Geld hatte der Pitter wenig oder gar nicht. Er war Bäcker von Beruf. Sein Elternhaus, Hauptstraße 98, gegenüber der Kirche.

Kam der Pitter an einer Gastwirtschaft vorbei, (und das war ab 16 Uhr immer der Fall) dann wurde er von Gästen hereingerufen. „Zwei Bier für de Pitter“. (Denn ein Bier war in einem Zug leer.) Pitter, lüg uns was vor, war die Aufforderung.

Nun war der Pitter aber wirklich intelligent und beschlagen auf allen Wissensgebieten. Die Aufforderung: „Pitter lüg uns was vor“ wehrte Pitter leicht empört, mit lässiger Handbewegung ab. Und Pitter begann: „Meine Herren…“ (zu den Bimsfritzen von Weißenthurm)

Andernacher Kirmes 1928. (damals in den heutigen Rheinanlagen)

Mein Freund und ich sehen Ösche Pitte. Sogar rasiert und wahrscheinlich gewaschen. „Herr Esch, würden Sie ein Glas Wein mit uns trinken? Bei der Anrede „Herr Esch“ wurde der Pitter einen Kopf größer. Im „Rheinhotel“ bestellten wir drei Glas Wein, obschon wir mit 18 Jahren keine Freunde von Wein waren. Ohne Aufforderung erzählte uns „Peter Esch“ in bestem Hochdeutsch, lückenlose, filmreife „Erlebnisse“, die uns Zeit und Raum vergessen ließen.

  • Die erste Kanalüberquerung (1928) hatte er im Auftrag des engl. Königshauses in einer königlichen Jacht als Reporter miterlebt und gefilmt. —-
  • Sein Schlafzimmer war von Künstlern aus Italien ausgestattet worden. —-
  • Als 1. Offizier auf einem kaiserlichen Schlachtschiff (1914 / 18) wurde er nach Kriegsende von seinem Freund, Admiral …. getrennt. Dieser machte seine Adresse 1925 ausfindig. Großes Wiedersehen mit dem ehemaligen Offizierskorps in Kiel usw. —-
  • Seine Verbindungen ermöglichten es der letzten Zarentochter den Kommunisten in Rußland zu entkommen. —-
  • Seine Ölvorkommen in Texas würde er demnächst zu einem guten Preis verkaufen. —- usw. usw.

Unvorstellbar der Phantasiereichtum dieses Mannes. Am Anfang trank er ein Glas Wein mit eleganter Haltung in einem Zug leer. Nun zog ich das leere Glas sachte an mich und schob mein volles Glas zu Peter Esch. Dann vollzog mein Freund den gleichen Tausch. So trank P. Esch 9 oder 12 Glas als reiche Belohnung. Anschließen großer Abschied nach etwa 2 Stunden. Nie habe ich diese Stunden mit Ösche Pitter vergessen. —- Wo er geblieben ist, ich weiß es nicht.
(Aus den Aufzeichnungen von Hermann Rausch)